Die Coswiger Feuerwehr besteht seit 125 Jahren. Zur Jubiläumsfeier gab es auch einen kleinen Wermutstropfen.
Löschleiter Martin Radseck (links) von der Freiwilligen Feuerwehr Radeburg erklärt den Coswiger Kameraden Thomas Behr (re.) und Michael Rabis nähere Details zu einem Dachleiterwagen von 1983. © Norbert Millauer

Coswig. Die Coswiger Feuerwehr macht es wie die Queen in England. Geburtstag gefeiert wird nicht am exakten Datum, sondern dann, wenn das Wetter schön ist. „Obwohl das Jubiläum erst am 27. September ist, haben wir uns für den 12. Mai entschieden, weil das Wetter an diesem Tag statistisch gesehen meistens recht gut ist“, sagt Dominik Wittich (27), der sich bei der Feuerwehr um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Außerdem entspreche die Zahlenfolge 12.5. exakt den Jahren, die die Feuerwehr bestehe, erklärt der Feuerwehrmann.

Dass die Verantwortlichen mit dieser Entscheidung richtig lagen, zeigte sich am Interesse der Besucher. Bei strahlendem Sonnenschein wollten nach Angaben der Feuerwehr am Sonnabend 10 000 Menschen hinter die Kulissen der Brandbekämpfer schauen. Besonders Familien nutzten die Gelegenheit, um sich historische und moderne Feuerwehrfahrzeuge anzusehen oder an einem Rundgang durch die Feuerwache teilzunehmen. „Wir sind eigentlich wegen unserer Kinder hier. Die interessieren sich sehr für die Feuerwehr und deren Einsatzfahrzeuge“, sagte der Coswiger Jens Linaschke (49).

Spektakulär war auch ein Flugfeldlöschfahrzeug vom Flugplatz in Großenhain. „Das Fahrzeug kann 2 000 Liter Wasser aufnehmen und diese in zwei Minuten abgeben“, berichtet der stellvertretende Wehrleiter für Kameradschaft, Thomas Behr (43). Sehenswert war zudem ein alter Spritzenwagen in Gestalt einer Kutsche, den die Moritzburger Feuerwehr für das Fest beigesteuert hatte. „Wir wollten der Bevölkerung ein möglichst breites Spektrum der Feuerwehrarbeit zeigen.

Deshalb haben wir neben Feuerwehren aus dem Landkreis auch wichtige Partner wie das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk oder die Bundeswehr eingeladen“, sagt Behr. Nicht dabei war hingegen die Hundestaffel der Polizei, die einen Rettungseinsatz vorführen wollte. Weil einige Hunde Halsschmerzen plagten, wurde der Programmpunkt kurzfristig abgesagt.

Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Denn auch abseits der Darbietungen war es für viele Besucher einfach nur schön, sich einmal wieder zu sehen und in alten Zeiten zu schwelgen. So erinnerte sich Michael Rabis (62) von der Alters- und Ehrenabteilung an seinen ersten großen Einsatz. „Das war 1984 der riesige Brand in der Lackfabrik. Vom späten Nachmittag bis zum Abend haben wir gelöscht“, sagt Rabis, der an der Feuerwehr vor allem die Kameradschaft schätzt. Außerdem würden Werte wie Disziplin und Pünktlichkeit vermittelt, die einen auch sonst im Leben weiterbringen, ergänzt Wittich.

Bei der Jugend scheint das gut anzukommen. Mit 23 aktiven Jungen und Mädchen braucht sich die Jugendfeuerwehr nicht über mangelnden Nachwuchs beschweren. „Wir können nicht klagen. Gegenwärtig gibt es sogar einen Aufnahmestopp, damit wir die bestmögliche Ausbildung anbieten können“, sagt Behr. Bei einem Wettstreit mit den erwachsenen Kameraden machte die Jugendabteilung am Wochenende eine gute Figur und ging als Sieger vom Platz. Flink wie die Hasen rollten die jungen Feuerwehrleute die Schläuche schneller aus als ihre älteren Kollegen und trafen mit dem Wasserschlauch ein vorgegebenes Ziel.

So viel Einsatz wurde belohnt. Nachdem sie von der Stadt bereits am Vortag eine eigene Fahne bekommen hatten, die ein Maskottchen in Gestalt eines lachenden Hydranten zeigt, hatte Coswigs Ordnungsamtschef Olaf Lier das Maskottchen namens „Hydiger“ am Sonnabend zusätzlich als lebensgroße Plastik im Gepäck. „Die Figur soll zur Identifikation mit der Jugendfeuerwehr dienen und die Jugendlichen zum Beispiel zu Wettkämpfen begleiten“, sagt Lier.

Obwohl am Feuerwehrgeburtstag ein Höhepunkt den anderen jagte, stach ein Ereignis heraus: der Blaulichtkorso. 42 Fahrzeuge starteten um kurz nach 19 Uhr zu einer Rundfahrt durch Coswig. Von zahlreichen Menschen am Straßenrand wurden sie freudig begrüßt. „Da blieb kein Auge trocken“, bekannte Wittich. Wer sich angesichts der Jubelstimmung fragte, was gewesen wäre, wenn es am Sonnabend gebrannt hätte, der wurde beruhigt: „Die umliegenden Wehren haben unsere Bereitschaft übernommen“, versicherte Feuerwehrmann Thomas Behr.


Bericht: Sächsische Zeitung Stephan Hönigschmid
Bildrechte: © Norbert Millauer

10 000 feiern Jubiläum
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