Radebeuler Handwerkerfirma verliert ihr Hab und Gut. Seniorin in Sicherheit gebracht. Drei Stunden Straßensperre.

Wuchtig und verheerend breitete sich das Feuer ab 10 Uhr im Dachstuhl der Radebeuler Handwerkerfirma an der Meißner Straße 100a aus. Die ersten Löschwasserangriffe konnten die Feuerwehren nur vom Leiterkorb aus führen. Zum Glück waren bei bis zu minus acht Grad die Hydranten auf der Meißner Straße nicht eingefroren. Bis zum späten Nachmittag war die Meißner Straße für den Pkw-Verkehr gesperrt. Nach dem Mittag konnten zumindest Straßenbahn und Lkw wieder rollen.

Radebeul. Es ist kurz nach 10 Uhr, als im Osten Radebeuls die Sirene heult. Feueralarm. Der Anruf kam aus der Meißner Straße 100 a. Dem Handwerksbetrieb der Familie Otto. Sonnenschutztechnik wie etwa Rollläden werden von den Brüdern Dirk und Maik Otto installiert.

In diesen Minuten vor dem Eintreffen der Feuerwehr mühen sich die beiden Brüder noch selbst, der Flammen Herr zu werden. Dirk: „Es schlug plötzlich aus der Dämmungsverkleidung des Daches. Wir haben versucht, mit dem Pulverlöscher dagegenzuhalten. Aussichtslos.“ Die beiden Männer bringen ihre 63-jährige Mutter in Sicherheit. Sie hat ihre Wohnung im Querriegel des Gebäudes. Den Ottos gelingt es noch, die Gas- und Stromhauptriegel abzustellen.

10.20 Uhr: Dicke Rauchwolken
über der Hausnummer 100 a

Sirenen von Feuerwehrwagen heulen. Auf den ersten Blick ist der Qualm am grauen Himmel kaum zu erkennen. Je näher man aber in Richtung Hausnummer 100 a auf der Meißner Straße kommt, desto stärker zeichnet sich die Wolke ab. Aus dem Dachgeschoss züngeln Flammen zwischen dicken grau-schwarzen Qualmwolken. Vor dem Haus stehen der Rettungsdienst und fünf Einsatzwagen der Feuerwehr. Weitere rote Fahrzeuge rücken im Minutentakt an.

10.30 Uhr: Meißner Straße wird für Autofahrer
und Straßenbahn gesperrt

Polizisten sperren die Meißner Straße zwischen Eduard-Bilz-Straße und Schildenstraße/Maxim-Gorki-Straße. Autofahrer kommen nun nicht mehr am brennenden Haus vorbei. Auch die Straßenbahnen können nicht weiter fahren. Auf dem Gehweg haben sich etliche Schaulustige versammelt. Mittlerweile sind die Feuerwehrleute aus ganz Radebeul, aus Reichenberg und Boxdorf, Coswig und Weinböhla da. Auch der Rettungswagen mit den Atemschutzgeräten des Kreises trifft ein.

Die Kameraden rollen Schläuche auf der Straße aus. Es sind minus acht Grad. Die Hydranten auf der Meißner Straße sind dennoch eisfrei. Die Leiter der Radebeuler Wehr wird nach oben gefahren und die Feuerwehrleute spritzen Wasser ins Dachfenster. Erst jetzt sieht man: Es brennt lichterloh. Die Flammen schlagen aus dem Dach. Andere Feuerwehrleute beginnen vom Garten aus, das Feuer zu löschen.

10.45 Uhr: Zwei Kameraden klettern mit Atemschutz
auf die Terrasse

Die Kameraden legen eine lange Leiter an das Terrassengeländer im ersten Stock an. Dann klettern Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten nach oben, unter ihnen auch Ute Wendt von der Kötzschenbrodaer Wehr. Den Löschschlauch binden sie am Geländer fest. Als nächstes schlagen sie die Glasscheibe der Balkontür ein. Von der Terrasse aus spritzen sie Wasser in die brennenden Räume.

10.50 Uhr: Polizei sperrt Bereich auch für Fußgänger,
Schaulustige filmen

Noch immer rücken weitere Einsatzwagen an. Inzwischen sind 14 Einsatzwagen der Feuerwehr und vier von der Polizei am Ort. Polizisten beginnen, auch die Fußwege zu sperren. Die Schaulustigen müssen bis zur Einmündung Gellertstraße zurückweichen. Die Flammen, die aus dem Dach schlagen, sind jetzt noch größer. Die Frischluft facht das Feuer zusätzlich an. Inzwischen haben sich Löcher im Dach gebildet. Viele Ziegel sind abgefallen. Weiter unten liegt noch Schnee auf dem Dach.
11.25 Uhr: Bürgermeister und Wehrleiter beraten
zur Straßensperre

Kreisbrandmeister Nestler, Einsatzleiter Roland Fährmann, die Polizei und OB Bert Wendsche informieren sich über den Stau auf der Straße – auch einige Lastzüge stecken fest – und beratschlagen über eine mögliche Öffnung der Meißner Straße. Ziel ist 12.30 Uhr. Die Feuerwehrmänner reißen mit großen Haken das Dach auf, um an die Glutnester zu gelangen. Denn diese fallen herunter und entzünden weitere Wände und Möbel im Gebäude. Männer von der Coswiger Wehr versuchen, von der Hofseite in das Gebäude vorzudringen. Erneut schlagen Flammen aus dem Dach, gefolgt von dicken Qualmwolken.

12.15 Uhr: Hausbesitzer verliert seine ganze Computertechnik
mit Aufträgen

Dirk Otto erklärt den Feuerwehrleuten, wie das Haus mit der Dämmung aufgebaut ist. Er sagt, dass im Dachgeschoss des 1891 gebauten Hauses die gesamte Rechentechnik der Firma mit allen Aufträgen der nächsten Monate gerade verbrennt. Er vermutet als Brandursache einen Kurzschluss einer Elektroleitung, die unter der Verkleidung verlegt ist. Der 12.30 Uhr-Termin für die Straßenfreigabe ist nicht zu halten.

13 Uhr: Die Feuerwehrleute bekommen Kontrolle,
Straßenfreigabe ist in Sicht

Die Feuerwehrleute haben jetzt das Dach soweit geöffnet, dass sie gezielt auf die Glutnester Wasser sprühen können. Sie bekommen den Brand unter Kontrolle. Zugleich werden die Wasseranschlüsse in die Eduard-Bilz-Straße verlegt. Damit wird ein Teil der Meißner Straße frei. Kurz vor 14 Uhr können Straßenbahn und Lkw wieder rollen, ab 16.30 Uhr auch die Pkw. Bis in den Abend wird das Haus kontrolliert.

 

Bericht von Nina Schirmer und Peter Redlich (Freigabe Sächsische Zeitung)

Bild: © Steffen Janke

Großbrand in der Meißner Straße
Markiert in:                     
Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial