Einsatz Nr. 231 

 
Einsatzart

Brand Explosion 

Einsatzort

Radebeul, Zillerstrasse

Bericht

Explosion in Radebeuler Wohnhaus

Müde, übernächtigt sehen Annemarie und Günther Diwisch drein, als sie im gut beheizten Auto vom Roten Kreuz sitzen. Sie sind zwei von 25 Bewohnern in der Zillerstraße 13c.

Mit einem mörderischen Knall wurden die Rentner gegen Mitternacht zum Freitagmorgen aus den Betten geworfen. „Wir haben uns hastig angezogen und sind schnell rausgerannt“, erzählt der 72-Jährige aus dem ersten Stock des nach der Wende errichteten Gebäudes, das Radebeuler als das Haus mit der Tanzschule Linhart kennen.

Im Treppenhaus weht den Bewohnern eiskalter Wind entgegen. Alle großen Scheiben sind geborsten und von der Wucht der Detonation samt Rahmen herausgepresst worden.

Dass eigentliche Dilemma spielte sich jedoch im Keller ab. Radebeuls Stadtwehrleiter Roland Fährmann, der mit seinen Leuten gerade vom Chlorgas-Einsatz am Parkhotel (siehe Seite 19) zurückkehrt: „Im Keller hat es eine Explosion gegeben, die einen Brand ausgelöst hat.“ Das Feuer hat sich rasend schnell ausgebreitet. Teils herrschen bis zu 200 Grad in den schmalen Gängen. Wegen des Qualms können die Feuerwehr-Kameraden, die neben den Radebeulern aus Coswig, Moritzburg und Weinböhla angerückt sind, erst spät den Brandherd finden. „Wir haben Trupps mit Atemschutzgeräten gebildet, die sich aller zehn Minuten abgewechselt haben“, sagt Fährmann.

Zur gleichen sind bereits zwei junge Familien mit Kindern im benachbarten Radebeuler Krankenhaus untergebracht. Auch die anderen Bewohnern werden dort untersucht. Nur einer hat eine Rauchgasvergiftung. Mitarbeiter vom Radebeuler DRK kümmern sich, bringen Decken und schaffen die Evakuierten in die Räume des DRK, wo es am Morgen Frühstück gibt.

Inzwischen sind die Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) am Werk. Ein Statiker vom Radebeuler Büro Jäger stellt fest, dass die Hauswände nicht beschädigt sind. Obermeisterin Cathleen Göbel ist mit ihrer Spürhündin Fee zur Stelle. Die Hundeführerin: „Wenn hier brennbare Flüssigkeiten eingesetzt wurden, dann dringen die auch in Fugen und Steine ein. Und was nicht restlos verbrannt ist, findet meine Fee garantiert.“

Einer der Kriminaltechniker bringt schließlich ein Stück Stein in einer Plastikhülle aus dem Keller. Fee hat mehrfach angeschlagen. Thomas Redmer, der Sachverständige vom LKA spricht es aus: „Es gab eine brennbare Flüssigkeit im Keller. Die kann vorsätzlich oder fahrlässig dorthin gebracht worden sein.“ Es kann Kraftstoff, aber auch ein Reinigungsmittel sein. Feststellen müssen das die Experten der Kripo im Labor. Die Heizungsanlage sei jedenfalls in Ordnung. Eine Gasexplosion war es nicht, sagt Redmer bestimmt.

Derweil warten Annemarie und Günther Diwisch und die anderen Hausbewohner noch immer im DRK-Auto auf die Erlaubnis, die wichtigsten Dinge aus der Wohnung holen zu dürfen. „Wir werden den Bürgern noch ein Mittagessen kochen und sie dann in zwei Radebeuler Pensionen unterbringen“, sagt Steffen Wolf vom DRK.

Im Hauskeller sind sämtliche Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen verbrannt. Mindestens eine Woche, heißt es, werden die Wohnungen nicht nutzbar sein.


Von Peter Redlich (SZ)

Fahrzeuge

Kdow | HLF20 | HAB | TLF16/25 | Brockwitz HLF10 | Brockwitz TSF

Personal

Kräfte im Einsatz davon 0 unter Atemschutz 

Beteiligte Organisationen

FF Radebeul

Einsatzdauer

21.10.2011, 00:16 Uhr bis 21.11.2011, 03:30 Uhr

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