Wurde dem Gebäude ein fehlender Kirchturm in der Nachbarschaft zum Verhängnis?

Coswig. In ein Fachwerk-Bauernhaus im Coswiger Ortsteil Brockwitz hat am Dienstagnachmittag der Blitz eingeschlagen. Der Dachstuhl entzündete sich dabei. Das Haus, direkt gegenüber der Kirche, galt bisher als geschützt, weil der Kirchturm höher ist. Doch gerade in diesen Tagen ist die Spitze des Turms nicht drauf. Etwa eine halbe Stunde brauchten die Feuerwehrleute aus Coswig, Radebeul, Weinböhla und Meißen, um die Flammen zu ersticken. Danach wurden Glutnester ausgeräumt. Die Dresdner Straße ist bis in den Abend gesperrt – die Polizei leitet über die Niederseite Brockwitz um. Die Bewohner des Hauses waren zum Zeitpunkt des Einschlags in einem Nachbargebäude. Verletzt hat sich niemand.

Bericht-Bild SZ © Peter Redlich


07.06.17

Blitz setzt Dachstuhl in Brand
Vier Feuerwehren rückten am Dienstagnachmittag in Brockwitz an. Die Dresdner Straße war mehrere Stunden voll gesperrt.
Das Fachwerkhaus an der Dresdner Straße ist mit seinen Holzbalken ein gefundenes Fressen für die Flammen.
Das Fachwerkhaus an der Dresdner Straße ist mit seinen Holzbalken ein gefundenes Fressen für die Flammen.

Der Feierabendverkehr wurde von der Dresdner Straße über die Niederseite in Brockwitz umgeleitet.
Der Feierabendverkehr wurde von der Dresdner Straße über die Niederseite in Brockwitz umgeleitet.

Coswig-Brockwitz. Es hat fürchterlich gekracht, sagt der ältere Mann. Im Arbeitshemd, schwarzer Hose und Basecap steht er mit einem Freund vor der Scheune des Brockwitzer Dreiseithofes gegenüber der Kirche. Oben auf dem Dach des Hauses, welches ihm zur Hälfte gehört, reißen Feuerwehrleute mit Enterhaken erst Dachziegel, dann Glutnester aus dem Giebel und spritzen mit Löschwasser auf die glühenden Balken.

Es ist kurz vor 16 Uhr am Dienstagnachmittag. Eine gute Stunde vorher ist das mit zischendem Krach passiert. „Das muss ein Blitz gewesen sein“, sagt der Mann, der nicht genannt sein will. „Wir sind sofort aus der Scheune raus und haben geschaut, aber nichts gesehen.“ Ein Passant auf der Dresdner Straße vor dem Gebäude sah dann wenig später Flammen und Qualm aus dem Dach schießen und hat Feuerwehr und Polizei alarmiert.

Die Hausbewohner haben zuerst versucht, mit einem Feuerlöscher zu löschen. Vergeblich, der Brand hatte sich in der schwer zugänglichen Giebelspitze schon ausgebreitet. Zuerst war die Polizei da, gleich danach die Coswiger Kameraden der Feuerwehr um deren Leiter Andreas Schorbogen. Der Miteigentümer des Hauses schildert, dass er ziemlich rabiat von den Polizisten am Betreten des Hauses gehindert wurde. Sogar Handschellen seien ihm angelegt worden. Von der Polizei heißt es, dass sie ihn schützen wollten, damit er das Haus nicht betritt und sich gefährdet.

14.42 Uhr ist die Feuerwehr alarmiert worden. Eine Dreiviertelstunde später haben die Männer die großen Flammen erstickt. Zu Hilfe kommen auch Kameraden aus Kötzschenbroda, Weinböhla und Meißen. Insgesamt sieben Fahrzeuge mit etwa 40 Mann Besatzung sind vor Ort an der Dresdner Straße in Coswig.

Die Hauptstraße muss im Berufsverkehr voll gesperrt werden. Polizisten vom Revier Meißen riegeln jeweils an der Ost- und der Westeinfahrt der Brockwitzer Niederseite die Straße ab und weisen die Kraftfahrer ein. Keine leicht zu fahrende Umleitung – vor allem für große Busse und Lastwagen. Aber auch, weil einige der Kraftfahrer der Schaulust wegen besonders langsam fahren.

Kurz nach 16 Uhr schickt Einsatzleiter Schorbogen die zu Hilfe geeilten Wehren aus den Nachbarorten wieder zurück in ihre Standorte. Die Kameraden aus Coswig indes haben noch zu tun. Hoch ausgefahren im Korb der Drehleiter finden sie im Gebäude voller Holzbalken, die teils 150 Jahre alt sind, immer wieder kleine Nester mit Glut. Mit Atemschutzmaske vorm Gesicht, Haken und Wasserschläuchen in den Händen rücken sie den gefährlich glühenden Flecken zu Leibe.

Etwa gegen 17 Uhr kann der Wehrleiter das Gebäude dem Eigentümer übergeben. Dieser hat sich offenbar schon um eine Dachdeckerfirma gekümmert, die vorerst mit einer provisorischen Abdeckung hilft. Denn schwarze Regenwolken hängen immer noch über dem Elbtal.

Auch die Fachleute des Energieversorgers Enso müssen im Haus noch kontrollieren und dafür sorgen, dass die Bewohner so schnell wie möglich wieder mit Strom und Gas versorgt werden können. Rein äußerlich sieht der Schaden weniger groß aus. Doch das Löschwasser der Feuerwehr hat einiges angegriffen. Wehrleiter Schorbogen in einer ersten vorsichtigen Schätzung: Es könnten rund 20 000 Euro Schaden sein.

Am heutigen Mittwoch will die Polizei noch die Brandermittler schicken, um wirklich Klarheit zu haben, was die Ursache für das plötzliche Feuer war. Der Eigentümer: „Eigentlich hieß es immer, hier schlägt kein Blitz ein, die höhere Kirche steht gleich gegenüber. Doch deren Turm ist gerade abgenommen worden.“ SZ

Blitz schlägt in Bauernhaus ein
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