Kathrin Borkowski engagiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr. Frauen sind dort Mangelware.

In voller Montur meldet sich Kathrin Borkowski zum Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr in Coswig. Gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen sorgt sie dafür, dass die Brände in der Stadt schnell gelöscht werden.
In voller Montur meldet sich Kathrin Borkowski zum Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr in Coswig. Gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen sorgt sie dafür, dass die Brände in der Stadt schnell gelöscht werden.

Coswig. Mit Schutzanzug und Helm läuft Kathrin Borkowski über den Vorplatz der Coswiger Feuerwehr. Freundlich und entspannt spricht die 33-Jährige mit ihren Kameraden, die an dem Donnerstagabend peu à peu zum Ausbildungsdienst eintreffen. Man könnte ohne Weiteres denken, Kathrin Borkowski wäre schon ewig mit dabei.

Aber das stimmt nicht. Erst im Dezember vorigen Jahres fasste sie den Entschluss und trat der Feuerwehr bei. „Zuvor habe ich immer ein wenig gezögert, weil ich dachte, dass es eine Männerdomäne wäre. Dann habe ich es aber einfach probiert“, sagt Borkowski, die im „richtigen“ Leben als Auslieferungsfahrerin arbeitet.

Und dieser Mut wird belohnt. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich gut aufgehoben. „Die Kameraden nehmen mich so, wie ich bin. Es gibt bei Fragen keine pampigen Antworten, und wenn mal Kritik nötig ist, ist diese immer konstruktiv“, sagt die 33-Jährige. Weil sich gerade eine andere Kameradin in der Schwangerschaftspause befindet, ist Borkowski momentan die einzige Frau unter 74 Männern. Eine große Rolle spielt das im Feuerwehralltag aber nicht. „Ich entspreche auch nicht dem Klischee einer Frau, die sagt: Helft mir mal bitte! Meiner Meinung nach ist das hier fehl am Platz. Entweder man macht es, oder man macht es nicht“, sagt Borkowski entschlossen.

Obwohl sie von Haus aus sehr sportlich ist und gerne Inlineskates oder Fahrrad fährt, waren die Übungen bei der Feuerwehr eine Herausforderung für die Coswigerin. „Wenn man das Atemschutzgerät auf dem Rücken trägt, sind das schon gefühlte 30 Kilo“, sagt Borkowski.

Jeder muss seinen Platz kennen

Hinzu kommen in der Anfangszeit Lehrgänge in Truppenführung und im Funken. „Bei Einsätzen muss jeder seinen Platz kennen und die richtigen Befehle geben können.“ So fragen beispielsweise die Feuerwehrleute, die bei Bränden an vorderster Front im Einsatz sind, mit dem Spruch „Gruppenführer für Angriffstrupp kommen“ bei der Einsatzleitung nach, was sie tun sollen. „Bei der Feuerwehr läuft alles mit System ab. Verschiedene Einheiten wie Maschinisten, Schlauchtrupp und Wassertrupp arbeiten abgestimmt zusammen“, so Borkowski.

Dennoch ist das Training nur eine Seite der Medaille. Richtig ernst wird es erst beim Einsatz. Genau das unterscheidet das Engagement bei der Feuerwehr auch von anderen Hobbys. „Wenn nachts der Pieper geht, dann muss ich los.“ Sie postiere deshalb ihre Kleidung in der Wohnung an einer Stelle, an der sie leicht zu finden ist. Außerdem parke sie ihr Auto so, dass sie schnell wegkommt, verrät Borkowski ihre Strategie.

Ihr Freund Michael hat mit diesen Vorkehrungen keine Probleme, denn er ist seit 13 Jahren selbst Feuerwehrmann. Aus diesem Grund könnten beide eigentlich auch gemeinsam ausrücken. Allerdings ist das nicht immer möglich. „Wir machen das nur, wenn wir jemanden haben, der sich um meinen fünfjährigen Sohn kümmert.“ In der Regel übernehme dies der Nachbar, sagt Borkowski und fügt an: „Wenn das nicht geht, kann nur einer zum Einsatz fahren.“

In ihrer kurzen Zeit bei der Feuerwehr hat die 33-Jährige bereits jede Menge Praxiserfahrung gesammelt. So gab es im September einen Wohnungsbrand in der Romerstraße und Ende Oktober stand eine Tischlerei am Ravensburger Platz in Flammen. „Ich habe dort den Wasserverteiler bedient und das Wasser auf die verschiedenen Schläuche gegeben“, so Borkowski.

Obwohl die Arbeit in der freiwilligen Feuerwehr abwechslungsreich ist, folgen nur wenige Frauen dem Beispiel von Kathrin Borkowski. „Anfang der 1990er-Jahre hatten wir mal vier Frauen. Ansonsten waren es im Schnitt immer zwei“, sagt Wehrleiter Andreas Schorbogen.

Auch sonst sieht es bei der Nachwuchsgewinnung düster aus. „Heute sitzen viele nur noch vor dem Computer. Die Bereitschaft, anderen zu helfen, hat abgenommen.“ Es hätten zudem nicht alle Arbeitgeber dafür Verständnis, wenn ihre Mitarbeiter früh nicht zur Arbeit kämen, weil sie nachts einen Brand löschen mussten. „Wenn die Entwicklung beim Nachwuchs so weiter geht, haben wir in ein paar Jahren ein großes Problem“, so Schorbogen, der im nächsten Jahr lediglich auf vier Neuzugänge aus der Jugendfeuerwehr bauen kann.

 

Quelle: Stephan Hönigschmid Bild: Norbert Millauer

Allein unter Männern
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