Daumen hoch für die Freiwillige Feuerwehr Coswig. Wehrleiter Andreas Schorbogen (1.v.r) und seine Mitstreiter Michael Schober (v.l.), Tim Küster (1.v.l.) und Dominik Wittich (v.r.) stimmen sich schon mal ein auf das große Feuerwehrfest am 12. Mai.

Zum 125. Geburtstag lädt die Coswiger Feuerwehr am 12. Mai ein. Sie will an diesem Tag den Ernstfall proben.

Coswig. Warum haben die so viele Fahrzeuge hier? Und warum springen da so viele Leute rum? Andreas Schorbogen hört solche Fragen ständig. Allerdings immer dann, wenn der Chef der Coswiger Feuerwehr gerade keine Zeit zum Antworten hat. Weil er und sein Team einen Brand löschen oder nach einem Unfall helfen müssen. Deshalb will die Wehr jetzt die Feier ihres 125. Jubiläums nutzen, um zu zeigen, was ihre Arbeit ausmacht, wer ihre Mitstreiter sind. Zumal der letzte Tag der offenen Tür im Gerätehaus viele Jahre zurückliegt und die Feuerwehrleute höchstens mal beim Stadtfest mit einer öffentlichen Show zu erleben sind.

Die Wehr ist nicht nur im Notfall da. Gehören doch auch Brandverhütungsschauen auf Grundstücken und in Gebäuden zu ihren Aufgaben. Wir sind schließlich für jede Firma, jeden Bürger mit verantwortlich, sagt Michael Schober, einer der stellvertretenden Wehrleiter. Was liegt da näher, als bei einer Schauübung zu zeigen, was im Fall der Fälle wie funktioniert. Anhand eines Brands und eines Unfalls – auf der Feuerwehrstraße 3. Und weil auch im wahren Leben dann nicht nur die Feuerwehr anrückt, sind sie am 12. Mai alle dabei: Rettungsdienst, Polizei, Schnelle Eingreifgruppe (SEG), THW, Kriseninterventionsteam, Bundeswehr.

Wer weiß schon, dass bei einem Brand ein Rettungswagen, RTW, für die Feuerwehr geblockt ist? Kein Wunder, dass weitere Rettungsfahrzeuge ran müssen, wenn es Verletzte gibt. Und dass die SEG des DRK nichts mit SEK, dem Spezialeinsatzkommando der Polizei, zu tun hat. Sondern sich um die sanitätsdienstliche Sicherstellung, Truppenverpflegung und bei Bedarf um Zelte zum Aufwärmen kümmert.

Bei Nicht-Feuerwehrleuten Verständnis für die Arbeit der Wehr zu wecken, bedeutet für die Frauen und Männer um Andreas Schorbogen auch immer wieder die Erklärung, dass es sich bei den Coswigern nicht um eine Berufsfeuerwehr handelt, sondern dass alles im Ehrenamt passiert. Schönen Dienst noch, hat ihm schon mal ein Passant nach einem Brandeinsatz gewünscht, sagt der Wehrleiter. Er ist Eisenbahner im Hauptberuf, muss immer zirkeln, dass Job und Wehr zusammenpassen. Wir kommen von daheim, vom Sport, vom Grillen, sind im allerbesten Fall in acht Minuten auf den Fahrzeugen, sagt Feuerwehrmann Dominik Wittich. Da ist jede und jeder von ihnen froh, wenn sie Verständnis bei den anderen Verkehrsteilnehmern finden und die sie auch mal außer der Reihe durchlassen.

Froh ist die Wehr auch über ihre Technik. Richtiger Luxus, sagt Michael Schober, verglichen mit der Technik von früher. Historisches ist am 12. Mai auf dem VGM-Parkplatz hinterm Gerätehaus zu finden, darunter ein W-50-Löschzug und ein Motorrad aus DDR-Zeiten, eine Pferdespritze. Daneben gibt es auf der Blaulichtmeile ganz moderne Fahrzeuge, wie den Klipphausener Einsatzleitwagen, ELW 1, eine mobile Befehlsstelle, und den Gerätewagen Atemschutz aus Weinböhla.

Weil der Atemschutz so wichtig ist für die Arbeit der Wehr, können die Festbesucher auch gleich noch eine besondere Einrichtung besichtigen. Die Atemschutzübungsanlage, Käfig genannt, wegen der Vergitterung. Da müssen die Feuerwehrleute in voller Montur durch, unter extremen Bedingungen wie im Ernstfall – sie hören sogar Kinder schreien.

Die Besucher müssen den Parcours nicht absolvieren. Dafür können sie ihre Geschicklichkeit anderweitig testen, so beim Bierkastenklettern. Und sich dann wieder entspannen beim Gang durchs Feuerwehrtechnische Zentrum und durchs Museum – das wird durch die Alters- und Ehrenabteilung betreut. Von 11 Uhr bis nach Mitternacht wird am Gerätehaus gefeiert. Mit Tanzshow und Liveband, mit Blaulichtkorso und Lampionumzug.

Sogar ein neuer Baum wird anlässlich des Geburtstags vor der Feuerwehr gepflanzt, eine Idee der Alters- und Ehrenabteilung. Der Ahorn soll an das Jubiläum erinnern. An Engagement und Leistungen der Coswiger Retter, über die Andreas Schorbogen mit einigem Stolz sagt, dass sich Coswig auch als Landkreisausbildungsstandort einen guten Ruf erarbeitet hat.

So endete der jüngste Basislehrgang für Feuerwehrleute aus dem Altlandkreis laut Michael Schober mit überwiegend sehr guten Ergebnissen. Überhaupt funktioniert die Kooperation mit den anderen Wehren, nicht nur bei gemeinsamen Ausbildungen. So sind die Coswiger aus Festgründen zwar am zweiten Maiwochenende abgemeldet, der Brandschutz ist trotzdem gewährleistet, Nachbarwehren übernehmen die Einsatzbereitschaft.

Auch die Festbesucher können am Feiersonnabend zur Sicherheit beitragen. Indem sie ihre Autos auf dem ausgeschilderten Parkplatz am Rathaus Coswig abstellen – aber nicht an der Feuerwehr oder am benachbarten Einkaufsmarkt.


Bericht: SZ Von Ines Scholze-Luft

Bild: © Arvid Müller

In voller Montur zum Jubiläum
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